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A

Aufstehverhalten - Was und Warum?

Der natürliche Aufstehvorgang der Milchkuh ist flüssig, kann aber durch die Abmessungen und Aufstallungsformen negativ beeinflusst werden. Abweichungen im Bewegungsablauf deuten auf Überforderungen der Anpassungsfähigkeit der Kühe hin und können zu Unsicherheit, Stress, Schmerzen und Verletzungen führen.
Im Liegeboxenlaufstall können ein zu gering dimensionierter Kopfraum, Einengungen durch Kopfrohre, zu tief angebrachte Nackenrohre, muldenartige Liegeflächen, hohe Bugschwellen oder glatte Liegeflächen den Aufstehvorgang beeinträchtigen. In der Anbindehaltung wirken sich eine zu hohe Krippenrückwand, glatte Standflächen oder die Art der Anbindevorrichtung sowie ein unzureichender Bewegungsspielraum durch die Anbindung negativ aus.


Ausweichdistanz - Was und warum?

Zur Beurteilung der Qualität der Mensch-Tier-Beziehung gilt die Ausweichdistanz als geeigneter Indikator für die Furchtreaktion der Tiere vor dem Menschen. Geringe Ausweichdistanzen werden mit einer guten Mensch-Tier-Beziehung in Verbindung gebracht.
Durch den täglichen Umgang hat der Mensch einen wesentlichen Einfluss auf das Tier. Negativer Umgang (z. B. laut, grob, hektisch, unvorhersehbare Kontakte) kann zu Verletzungen, Schmerzen und Leiden und zu chronischem Stress führen sowie sich negativ auf das Verhalten, die Gesundheit und die Leistung der Tiere auswirken.


B

Behandlungsinzidenz Atemwegserkrankungen - Was und Warum?

Dieser Indikator beschreibt die Häufigkeit der dokumentierten Behandlungen (Behandlungsinzidenz) von Atemwegserkrankungen. Diese gehören neben Durchfällen zu den häufigsten Behandlungsursachen bei Kälbern. Sie schränken das Wohlbefinden ein und können gegebenenfalls zum Tod der Kälber führen. Die Behandlungsinzidenz gibt einen Hinweis auf die Häufigkeit von Atemwegserkrankungen. Neben der realen Erkrankungssituation des Bestandes ist die Behandlungsinzidenz zudem von der Tierbeobachtung und der Behandlungsstrategie des Tierhalters abhängig.
Risikofaktoren sind mangelhafte Stallhygiene, eine zu späte und / oder geringe Versorgung mit Kolostrum und ein suboptimales Stallklima (zugig, schadgasbelastet, feucht).


Behandlungsinzidenz Durchfallerkrankungen - Was und Warum?

Dieser Indikator beschreibt die Häufigkeit der dokumentierten Behandlungen (Behandlungsinzidienz) von Durchfallerkrankungen. Diese gehören neben Atemwegserkrankungen zu den häufigsten Behandlungsursachen bei Kälbern. Sie können das Wohlbefinden einschränken, zu langfristigen Problemen und gegebenenfalls auch zum Tod der Kälber führen.
Die Durchfallbehandlungsinzidenz gibt einen Hinweis auf die Häufigkeit des Auftretens von Durchfallerkrankungen. Neben der realen Erkrankungssituation des Bestandes ist die Behandlungsinzidenz zudem von der Tierbeobachtung und der Behandlungsstrategie des Tierhalters abhängig.
Zu den Risikofaktoren zählen mangelhafte Stallhygiene, eine zu späte und / oder geringe Versorgung mit Kolostrum sowie ein insgesamt ungenügendes Tränkemanagement.


Betriebliche Eigenkontrolle

Seit 2014 hat jeder Nutztierhalter gemäß § 11 Abs. 8 Tierschutzgesetz (TierSchG) eine betriebliche Eigenkontrolle durchzuführen: „Wer Nutztiere zu Erwerbszwecken hält, hat durch betriebliche Eigenkontrollen sicherzustellen, dass die Anforderungen des § 2 TierSchG eingehalten werden. Insbesondere hat er zum Zwecke seiner Beurteilung, dass die Anforderungen des § 2 erfüllt sind, geeignete tierbezogene Merkmale (Tierschutzindikatoren) zu erheben und zu bewerten."

E

Einstreumanagement - Was und Warum?

Das Vorhandensein von Einstreu und deren Qualität sind Kriterien zur Beurteilung des Einstreumanagements und können mithilfe des „Nesting Scores“ bewertet werden. Bei einem guten Einstreumanagement liegen die Kälber „im Stroh“, nicht „auf dem Stroh“.
Zu geringes oder zu seltenes Einstreuen führt zu nassen und kompakten Liegematratzen, die negative Auswirkungen auf Stall- und Mikroklima, Tiersauberkeit, Liegekomfort sowie Thermoregulation haben. Fehlende oder nasse Einstreu kann Atemwegserkrankungen und Nabelentzündungen begünstigen.


F

Fett-Eiweiß-Quotient der Milch - Was und Warum?

Stoffwechselstörungen beeinträchtigen das Wohlbefinden und stellen – gerade auch in ihrer häufig auftretenden subklinischen Form – aufgrund der mit ihnen verbundenen reduzierten Körperabwehr Risikofaktoren für das Auftreten weiterer Krankheiten dar.
Die routinemäßig in der Milch gemessenen Inhaltsstoffe Fett und Eiweiß sowie deren Quotient werden als Indikatoren für Abweichungen in der Energie- bzw. Rohfaserversorgung von Milchkühen genutzt. Dabei ist ein Fett-Eiweiß-Quotient ≥ 1,5 als Indikator für den Verdacht auf Energiemangel („subklinische Ketose“) sowie ein Fett-Eiweiß-Quotient < 1,0 als Hinweis auf Abweichungen in der Rohfaserversorgung („subklinische Azidose“) anzusehen. Aufgrund des Verdünnungseffektes sollten sie nur mit Bezug auf die Milchleistung interpretiert werden.
Zentrale Risikofaktoren sind eine zu geringe Futteraufnahme, eine unzureichende Energie- und Nährstoffkonzentration sowie eine mangelnde Rohfaserversorgung.
In Betrieben mit kuhgebundener Kälberaufzucht oder Rassen mit hohen Milchinhaltsstoffen (z. B. Jersey oder Angler) können unabhängig von der Stoffwechselsituation Abweichungen im Fett-Eiweiß-Verhältnis auftreten.


G

Gegenseitiges Besaugen - Was und Warum?

Verhaltensabweichungen oder Verhaltensstörungen deuten darauf hin, dass hoch motivierte Verhaltensweisen nicht oder nur unzureichend ausgeführt werden können.
Die Ursachen für gegenseitiges Besaugen liegen vor allem in einem unbefriedigten Saugbedürfnis. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen zu geringe Tränkehäufigkeit und -dauer (zweimal tägliche Eimertränke), geringer Saugwiderstand (große Öffnung des Saugnuckels), Mangel an Bewegungsfläche und Umweltreizen sowie unzureichendes Angebot an Raufutter.


Gehalt somatischer Zellen in der Milch - Was und Warum?

Dieser Indikator informiert über den Anteil euterkranker und eutergesunder Milchkühe im Bestand. Der Gehalt an somatischen Zellen in der Milch ist ein bewährter Indikator für den Eutergesundheitsstatus einer Kuh. Erhöhte Zellzahlen geben Aufschluss über Entzündungsprozesse in der Milchdrüse. Klinische Mastitiden können zu Schmerzen beim Tier führen, chronisch-subklinische Mastitiden zu einer Daueraktivität des Immunsystems sowie zu Schädigungen des milchgebenden Gewebes und infolgedessen zu Milchleistungseinbußen.
Die Betrachtung der Zellzahlklassen ist Voraussetzung für ein erfolgreiches Eutergesundheitsmanagement. Neben klinischen Mastitiden können damit auch subklinische Mastitiden erkannt werden, die in vielen Herden häufiger auftreten als klinische.
Bekannte Risikofaktoren sind einerseits Neuinfektionen, z. B. durch Mängel in der Melk- oder Stallhygiene sowie in der Melktechnik, und andererseits die Schwächung der körpereigenen Abwehrlage der Kühe durch Stoffwechselstörungen, chronischen Stress, z. B. durch begrenzt verfügbare Ressourcen (unter anderem Futter- oder Liegeplätze), oder groben Umgang mit den Tieren.


I

Integumentschäden - Was und Warum?

Die äußere Haut (das Integument) stellt die Schnittstelle des Tiers zu der es umgebenden Umwelt dar und bildet ab, wie erfolgreich sich Tiere mit der direkten Einwirkung der Haltungstechnik, aber auch dem sozialen Umfeld (z. B. Verletzungen durch Hornstöße) auseinandersetzen können. Schäden der Haut wie frische oder verkrustete Wunden und Schwellungen sind schmerzhaft und können auch als Eintrittspforte für Infektionen dienen; Gelenkveränderungen können sich zu Lahmheiten entwickeln.
Beim Rind treten solche Schäden besonders häufig an den Sprunggelenken (Tarsalgelenken) und Vorderfußwurzelgelenken (Karpalgelenken) auf und sind in der Regel auf eine nicht tiergerechte Liegefläche zurückzuführen (nicht ausreichend weich, verformbar, sauber und trocken). Schäden am Nacken sind in der Regel auf nicht an Herdenmaße angepasste Fressgitterhöhen zurückzuführen.



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